Fehler
kultur.
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"Fehler dürfen einmal passieren. Zweimal derselbe nicht."
Christian Portmann
Berater Kommunikation Kultur

Fehler dürfen passieren, solange man davon lernt und besser wird.

Ein Fehler passiert. Und dann beginnt das eigentliche Spiel: Wer war's? Wer deckt's zuerst zu? Und wer sagt als Erstes "Ich habe zwar auch, aber schauen Sie mal, die haben auch..."?

Genau in diesem Moment zeigt sich, wie gesund die Kultur eines Unternehmens wirklich ist. Nicht im Leitbild. Nicht in der Sonntagsrede. Sondern in den ersten dreissig Sekunden, nachdem etwas schiefgelaufen ist.

 

Die Haltung

Ich bin überzeugt: Fehler dürfen passieren. Müssen sogar. Ein Team, das keine Fehler mehr macht, bewegt sich nicht mehr vorwärts. Wer nie einen Fehler macht, testet nichts Neues, wagt nichts, entwickelt sich nicht weiter.

Aber – und das ist mir wichtig – denselben Fehler zweimal machen, darauf bin ich allergisch. Denn dann wurde nicht gelernt. Dann wurde nur überstanden.

 

Was ich sehe

Ich sehe Unternehmen, die auf den nächsten fremden Fehler warten, um vom eigenen abzulenken. "Ich habe zwar auch, aber schau mal, die haben auch."

Ich sehe eine Schweiz, die sich eine nahezu totale Null-Fehler-Toleranz leistet. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, ist es für die Tonne. Wir testen zu wenig bewusst, provozieren zu selten kleine, kontrollierte Fehler, um herauszufinden, wo die eigenen Grenzen wirklich liegen.

Und ich sehe, dass Fehler vertuscht werden, statt benannt. Weil ein Fehler als Schwäche gilt. Weil hinstehen mehr kostet, als es bringt – zumindest gefühlt.

 

Fehlermauern

Wenn Fehler regelmässig vertuscht statt besprochen werden, entsteht etwas, das ich Fehlermauern nenne.

Eine Fehlermauer ist unsichtbar, aber jeder im Team spürt sie. Sie entsteht aus Misstrauen, aus Zweifel, aus der Angst, dass ein offenes Wort gegen einen selbst verwendet wird. Und sie hat eine unangenehme Nebenwirkung: Sobald eine Fehlermauer steht, leidet auch die Kommunikation. Plötzlich wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Plötzlich hört man zwischen den Zeilen Dinge, die gar nicht gesagt wurden.

Wer je in einem Umfeld gearbeitet hat, in dem so etwas selten offen gesagt, aber umso deutlicher gespürt wird – "Wir sind uns alle einig, dass wir diesen Fehler für uns behalten, verstanden?" – der weiss, wie schnell aus einer Fehlermauer eine Kommunikationsmauer wird. Das ist selten bewusster Machtmissbrauch. Aber es grenzt daran.

 

Wer Fehler eingesteht, verdient Respekt

Ich drehe das bewusst um: Wer einen Fehler zugibt, zeigt keine Schwäche. Er zeigt Stärke. Und er verdient etwas, das in vielen Unternehmen zu selten passiert – Unterstützung dabei, daraus zu lernen.

Das bringt Menschen auf Augenhöhe zusammen. Denn nur wer sicher sein kann, dass ein Fehler nicht sofort gegen ihn verwendet wird, wird auch beim nächsten Mal offen hinstehen. Sonst zieht man sich zurück, sagt lieber nichts – und die Fehlermauer wächst weiter.

 

Der Unterschied, der zählt

Nicht jeder Fehler ist gleich. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Luftfahrt, wo der Just-Culture-Ansatz seit Jahrzehnten Standard ist: Beinahe-Unfälle werden offen auf den Tisch gelegt, die Herleitung wird gemeinsam analysiert, und es wird an Lösungen gearbeitet, damit so etwas nicht mehr passiert.

Das funktioniert, weil konsequent unterschieden wird:

  • System- oder Prozessfehler: Menschliches Versagen hat fast immer eine Ursache, die tiefer liegt – im Prozess, in der Kommunikation, in unklaren Zuständigkeiten. Hier zählt Lernen, nicht Bestrafen.
  • Vorsätzliches Fehlverhalten: Wer bewusst und mutwillig einen Fehler provoziert, muss mit Konsequenzen rechnen. Logischerweise.

Diskutiert wird an der Sache, nicht am Menschen – ausser es ist offensichtlich vorsätzlich. Und selbst dann gilt: Fingerpointing bringt niemanden weiter. Die meisten Menschen, die einen Fehler gemacht haben, sind ohnehin schon selbst am meisten davon betroffen.

 

Auch ich

Ich lerne täglich aus eigenen Fehlern. Das macht mich nicht schwächer als Berater, sondern menschlicher – und es bringt mich weiter. Genau das wünsche ich mir auch für die Teams, mit denen ich arbeite.

Fehlerkultur und Kommunikation lassen sich nicht trennen. Wo Fehlermauern stehen, verändert sich auch, wie wir uns gegenseitig Feedback geben.

Mehr dazu auf der Seite Feedbackkultur.

Fehler machen und dazu stehen zeugt von echter Grösse.
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«Lass uns diskutieren, wie ihr mit einer gelebten Fehlerkultur erfolgreicher werdet.»
Christian Portmann
Berater Kommunikation Kultur