Kommunikation
Menschen meinen oft dasselbe – und reden trotzdem aneinander vorbei.
"Das war doch klar."
Diesen Satz haben Sie sicher auch schon selbst gesagt – oder von jemandem im eigenen Team gehört. Spannend daran: Oft haben beide Seiten recht. Die eine Person ist überzeugt, klar kommuniziert zu haben. Die andere ist überzeugt, alles richtig verstanden zu haben. Und trotzdem ist am Ende ein Missverständnis entstanden.
Ich nenne das die Illusion der Klarheit. Wir gehen viel zu oft davon aus, dass eine Botschaft automatisch verstanden wurde, nur weil sie ausgesprochen wurde. Doch Kommunikation funktioniert nicht wie eine E-Mail, die verschickt und damit erledigt ist. Sie endet erst dort, wo das Gegenüber wirklich verstanden hat, was gemeint war.
Die Haltung
Man kann nicht nicht kommunizieren. Selbst Schweigen sendet eine Botschaft – manchmal die lauteste im Raum.
Ein grosser Teil unserer Kommunikation läuft nonverbal und damit weitgehend unkontrolliert. Genau deshalb lohnt es sich, den Fokus auf das zu legen, was wir tatsächlich steuern können: Worte, Stil, Tonfall, Lautstärke, Präsenz, Haltung. Das ist die bewusste Kommunikation – und genau die entscheidet, ob Vertrauen entsteht oder Missverständnisse wachsen.
Menschen wollen dabei vor allem eines: gesehen, gehört und gebraucht werden.
Was ich sehe
Ich sehe Menschen, die laut werden, wenn sie unsicher sind.
Ich sehe Sprache, die als Druckmittel eingesetzt wird – manchmal ganz bewusst, oft auch unbewusst.
Ich sehe einen Graben zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Vieles, was in einer E-Mail, auf WhatsApp oder in einer Kommentarspalte geschrieben wird, würde von Angesicht zu Angesicht nie so gesagt werden.
Und ich sehe Menschen mit wichtigen, wertvollen Beiträgen, die schlicht nicht gehört werden – weil sie introvertiert sind, weil ihnen der Mut fehlt, sich in der Runde durchzusetzen.
Die gefährlichsten Sätze
Manche Sätze klingen harmlos und richten trotzdem grossen Schaden an, weil sie ein Gespräch beenden, bevor es überhaupt beginnt:
- "Das wurde doch schon kommuniziert."
- "Das ist doch selbstverständlich."
- "Das weiss doch jeder."
Was für die eine Person offensichtlich ist, kann für die andere völlig neu oder unklar sein. Solche Sätze verhindern Rückfragen und erzeugen Unsicherheit – die Folge sind Interpretationen, Gerüchte und unnötige Reibung im Alltag.
Dasselbe zeigt sich im Sender-Empfänger-Modell: Ein einziger Satz wie "Das Projekt muss schneller vorankommen" kann bei fünf Menschen fünf verschiedene Bedeutungen auslösen – von "Wir müssen Prioritäten neu setzen" bis "Meine Leistung reicht nicht aus". Nicht, weil niemand zugehört hat. Sondern weil wir zu oft glauben, dieselben Worte würden für alle dasselbe bedeuten.
Trainierbar, nicht angeboren
"Der ist einfach ein Kommunikationstalent" – diesen Satz höre ich oft. Aber gute Kommunikation ist kein Talent. Sie ist eine Fähigkeit, die trainiert werden kann. Niemand führt von Anfang an schwierige Gespräche souverän oder gibt automatisch wertschätzendes Feedback. Das entsteht durch Erfahrung, Reflexion und bewusste Übung.
Ich weiss, wovon ich spreche: Im zweiten Beruf stehe ich als Schlagzeuger und Perkussionist auf der Bühne – auch vor Publikum, das nicht immer einfach ist. Sicher, bewusst und sympathisch aufzutreten, verbal wie nonverbal, ist dort Teil des Erfolgsrezepts. Genau dieselbe bewusste Kommunikation lässt sich für den Unternehmensalltag lernen.
Wo Kommunikation nicht mehr offen stattfindet, hat das oft einen Grund, der tiefer liegt: die Angst vor der Reaktion auf einen Fehler.
Mehr dazu auf der Seite Fehlerkultur.
Frage an dich
- Wie gut spielen eure interne und externe Kommunikation zusammen? Mit einer Kommunikations-Analyse (siehe Angebote) finden wir das gemeinsam heraus.
- Wo in eurem Unternehmen wird zuletzt eher interpretiert als nachgefragt?